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Cavallo-Therapie

 
 

Tiergestützte Bobath-Therapie

Eine geniale Kombination zur Förderung von Säuglingen und Kindern

Viele Eltern kennen das: Das Baby liegt schief im Bettchen und hält das Köpfchen schräg. Vielleicht ist der kleine Kopf etwas abgeflacht oder auch ein bisschen schief. Manche Eltern können beobachten, dass ihre Kleinen oft Fäustchen machen oder die Füße wegstrecken. Sehr häufig stehen die Füße in Sichelformstellung. Manche Babys entwickeln daraus das so genannte Kiss-Syndrom („Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung” verursacht durch die Blockade eines Halswirbels). Tatsächlich ist dieses Phänomen, dessen Ursache ein schlaffer Muskeltonus ist,  immer häufiger festzustellen. Doch früh erkannt, lässt es leicht behandeln.

Besorgte Eltern werden oft beruhigt mit Sätzen wie: „Och, das verwächst sich wieder! Das ist ganz normal! Lassen Sie ihrem Kind nur mehr Zeit!“ Nun, in manchen Fällen stimmt das, sehr oft aber eben auch nicht. Es entwickeln sich weitere Auffälligkeiten: Die Kinder laufen gerne auf Zehenspitzen. Sie laufen lange unsicherer als andere Kinder und stolpern viel. Es kann passieren, dass die Füße aus der Fehlhaltung heraus eine Fehlstellung entwickeln, die nicht mehr einfach verschwindet. Auch bei der Wirbelsäule kann es unter Umständen zu einer Schiefstellung (Skoliose) kommen.

Wenn die Kinder älter sind, kommt es noch zu ganz anderen Problemen, die sich auf dieses Phänomen zurückführen lassen: Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität, Schwierigkeiten beim Malen und Schreiben durch zu viel Druck. Auch Kopfschmerzen können ihre Ursachen in Verspannungen und Gelenkblockaden haben.

Dabei lässt sich das Problem im Säuglings- und Kleinkindalter meist leicht erkennen und behandeln.

Bobath-Therapie – Was ist das eigentlich?

Viele Säuglinge kommen mit einem zu schlaffen Muskeltonus zu Welt. Wenn sie nun lernen sollen, sich gegen die Schwerkraft zu halten und zu bewegen, fällt ihnen dies schwerer als anderen Kindern. Das Resultat ist eine Schieflage.

Frühzeitig entdeckt und behandelt, entwickeln die Kinder relativ schnell (in 3–12 Monaten) eine gute Haltung, eine altersadäquate Tonusregulation (Anpassung der Muskelspannung an die Bewegung), eine gute Fußstellung und ein gutes Gleichgewicht. Werden  sie ganzheitlich gefördert, zeigen die Kleinen in allen anderen Bereichen,  z. B. Sprache, psycho-sozialer Entwicklung, Handmotorik, oft sogar eine besonders gute, sogar überdurchschnittliche Entwicklung. Als besonders effektiv hat sich in diesen Fällen die Förderung nach der Bobath-Therapie erwiesen. Grundlage dieser Therapieform ist die Erkenntnis, dass die Koordinationsfähigkeit auf der Fähigkeit zur Sensorischen Integration aller Wahrnehmungsbereiche (z. B. Gleichgewicht, Tasten) beruht. Im Vordergrund jeder Förderung der kindlichen Entwicklung steht eine Verbesserung des neuralen Netzwerkes. Um eine Verbesserung der sensorischen Integration und vor allem auch der Tonusregulation (Abbau des schlaffen Muskeltonus und der kompensatorischen Anspannung von Armen und Beinen) zu erreichen, werden in der Bobath-Therapie vorrangig Stimulationen im Bereich der Tiefenwahrnehmung eingesetzt. Vor allem mit Druckreizen, Vibrationen, Zug, Schüttelungen und Klopfreizen über Muskeln, Sehnen und Gelenke werden in der Bobath-Therapie positive Veränderungen in der Tonusregulation sowie der Koordination erreicht. Unterstützend werden Stimulationen über alle anderen Wahrnehmungsbereiche  einbezogen. Ziele sind der Aufbau und die qualitative Verbesserung eines Bewegungsablaufes, der Aufbau und die Verbesserung von Bewegungs- und Handlungsmustern. Um dies zu erreichen, werden durch unterstützte Schwerpunktverlagerungen Stell- und Gleichgewichtsreaktionen angebahnt und verbessert. Vordergründig sind dabei zunächst die statomotorischen Funktionaliäten im Sinne der entwicklungsübergreifenden Bewegungskomponenten (Rotation, Kopf- und Rumpfstabilität und -mobilität, Lateralität, Überkreuzen der Mittellinie sowie Stützfunktionen) von Interesse. Als Folge dieses funktionalen Prinzips zeigen sich qualitative Verbesserungen der statomotorischen Funktionen (Stand, Sitz, Krabbeln etc.). Neu ist es, bei dieser Therapieform Tiere einzusetzen.

 

Das Pferd als Bobath-Rolle

Gewöhnlich arbeitet ein Bobath-Therapeut mit einer Bobath-Rolle. Sie ist ca. 2 m lang und hat einen Durchmesser von 50 cm. Wenn man aber ein Pferd als lebendige Bobath-Rolle benutzt, hat das viele Vorteile. Zum einen erreichen wir durch die Höhe des Tieres eine angenehme Ausgangstellung für den Rücken der Therapeuten und Eltern, zum anderen haben wir ein „Gerät“, das atmet, sich bewegt, weich ist und riecht. Alle Sinne des Kindes werden gleichzeitig  gezielt und sinnvoll angesprochen. Zudem gibt es bei keiner künstlichen Bobath-Rolle die Möglichkeit, das Gleichgewicht in drei Ebenen anzuregen (hoch und runter, vor und zurück und im Seitenwechsel). Dies gelingt nur auf dem Rücken des Pferdes. Zudem kann das – wohlgemerkt ausgebildete – Therapiepferd die Bewegungen unterstützen.

Wenn über Zug und Schüttelungen die Tiefenwahrnehmung des Kindes gefördert werden soll, bewegt sich das Pferd mit den Bewegungen, die der Therapeut am Kind durchführt. Dadurch verstärkt sich die Wirkung. Die Kinder scheinen diese Therapieform sehr zu genießen, denn oft haben sie ganz offensichtlich Spaß und lachen laut.

Auf dem Rücken eines Pferdes kann auch ein Säugling in jede sinnvolle Position gelegt oder gesetzt werden, um gezielt zu fördern, z. B. die Füße oder die Wirbelsäule zu dehnen. Auch die Dehnungspositionen werden durch die Bewegungen des Tieres positiv verstärkt und wirken so besonders effektiv.

Gleichzeitig lässt sich mit Hilfe des Pferdes ein weiterer neurologischer Effekt erreichen, der die Förderung besonders effektiv macht: durch die Gleichgewichtsstimulationen werden die Füße reflektorisch in eine Stellung gebracht, die gegen die Fußfehlstellung wirkt, da der Außenrand des Fußes hochgezogen wird. Können etwas ältere Kinder bereits allein sitzen, kann so über die Bewegungen am Fuß gearbeitet werden, ohne dass der Therapeut ständig den Fuß direkt dehnen muss.

 

Katze, Mehrschweinchen & Co. als Trainingspartner

Nicht nur Pferde kommen für einen gezielten Einsatz in der Förderung in Frage. Säuglinge und Kleinkinder benötigen Bewegung, damit ihre Koordination und ihre Muskelspannung gezielt gefördert werden. Vor allem benötigen sie rollen, robben und krabbeln. Durch den gezielten Einsatz von – ausgebildeten – Therapiekatzen, Meerschweinchen und Kaninchen erreichen wir in der Bobath-Therapie, dass die Kleinen diese Bewegungen anbahnen und intensiv üben. Macht es nicht viel  mehr Freude, hinter einer Katze oder einem Kaninchen her zu krabbeln, als dies mit der Mutter oder Therapeutin zu tun?  Ausgebildete Tiere sorgen auch dafür, dass die Kinder die Bewegungen länger als sonst üben und dass sie selbst über Hindernisse krabbeln, die sie sonst aufgrund ihrer Gleichgewichtsprobleme vermeiden würden.

Doch das sind längst nicht alle Gründe für den gezielte Einsatz von Tieren in der Bobath-Therapie: Um die Muskelspannung und die Koordination gezielt zu fördern, benötigen viele Kinder taktile Reize. Das Fell der Tiere stimuliert wunderbar und hat einen so hohen Aufforderungscharakter, dass sogar Kinder mit Überempfindlichkeiten (taktile Abwehr/ Schreikinder)  Reize zulassen.

Außerdem wird, dass ist immer wieder festzustellen, bei der tiergestützten Therapie in besonderer Weise das Sprachzentrum angeregt. Neurologisch nachgewiesen ist, dass Kinder, die über die Haut, die Muskeln und Gelenke intensiv angeregt werden, häufig früher anfangen zu sprechen und eine bessere Sprache entwickeln. Auch bei bereits vorhandenen Sprachverzögerungen kann dies gezielt eingesetzt werden. Sogar Kinder mit Behinderungen (z. B. Autismus oder Morbus Down) fallen nachweislich oft durch eine überdurchschnittlich gute (bezogen auf ihre Behinderung) Sprachentwicklung auf.

Es sprechen also viele Argumente für den gezielten Einsatz von ausgebildeten Tieren in der Therapie. Besonders betont werden sollte jedoch, wie sehr die Gegenwart der Tiere jedem Kind Glück und Lebensfreude vermittelt. Für uns als Therapeuten ist es besonders erfreulich, wenn Eltern über unsere Arbeit Anregungen bekommen, ihr Kind mit einem Tier aufwachsen zu lassen und damit - bei artgerechter Haltung des Tieres - auch ihrem Kind eine besondere Förderung der weiteren Entwicklung sowie eine wunderbare Freundschaft zu schenken.